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Grenzen überwinden
Tatsächlich ist Mengestu selbst eng mit dem Schicksal seines Kontinents verbunden. Sein Vater flieht 1978 aus Äthiopien, vier Jahre nach dem Sturz Haile Selassies und drei Jahre nach der kommunistischen Machtergreifung. Familienmitglieder verschwinden und tauchen nicht wieder auf. Das Buch sei auch sein Weg gewesen, sich diese Vergangenheit vorzustellen und zwar mit einem enormen Respekt für die Menschen, die diese Zeit durchgemacht haben, sagt er. So war die Politik vielleicht nicht sein erstes Anliegen, aber gibt es überhaupt etwas außerhalb der Politik? Menschen werden doch von Politik gemacht, so Mengestu: „Ich denke, ich habe beim Schreiben kein politisches Programm im Hinterkopf gehabt, aber ebenso, dass Politik mir immer noch irgendwie wichtig ist. Sie ist ein integraler Bestandteil dessen, was wir als Menschen sind, sie prägt unsere Persönlichkeit, unsere Nationen. Also war es für mich unmöglich, das im Roman nicht aufzunehmen, denn sie wird ein Teil der Figuren. Die Figuren sind politische Exilanten, sie sind sowohl Opfer amerikanischer wie afrikanischer Politik. Die Politik ist ein Teil dessen, was sie sind.“
„Zum Wiedersehen der Sterne“ zeigt vielleicht genau das: Dass Politik untrennbar mit uns verwoben ist. Nicht nur mit unserer Nation, auch mit unserer Geschichte, sogar mit unserem Charakter. Wir sind aus Politik gemacht. Die großen Geschichten dringen in unser Leben ein. Auch Lokales und Globales sind untrennbar. Migration, Multikulturalismus, sich wandelnde Identitäten, das passiert überall, in jedem noch so kleinen Kaff in Europa oder anderswo. Mengestu spricht von den „globalen Dimensionen des Lokalen“ und fügt hinzu: „Ob du in einer Kleinstadt in Frankreich lebst oder in Deutschland – du bist sowieso von diesen Themen betroffen, sie werden zu einem Teil der nationalen Debatte.“
In dieser Debatte, die letztlich nicht nur lokal oder national, sondern auch global stattfindet, brauchen wir die Übersetzung. Was nicht übersetzt wird, so Mengestu, geht verloren. Ohne die Fähigkeit, sich ein anderes Land vorzustellen, ein anderes Leben, ein Buch in der Übersetzung zu lesen, haben wir es schwer, meint er, einander zu verstehen. Die Übersetzung, sagt er ebenso rasant, wie er eingestiegen ist, wird zu einem politischen Event, denn: „Manchmal muss man aus seiner begrenzten Realität einfach raus und etwas aus einer anderen Perspektive sehen, um wahrzunehmen, was im eigenen Land passiert. Und ebenso im eigenen Selbst. Deshalb wird die Übersetzung zu einem Mittel, diese Grenzen zu überwinden, von denen wir meinen, sie sind unüberwindlich. Erst durch die Übersetzung kann man begreifen, dass es etwas wie eine geteilte, miteinander erlebte Menschlichkeit gibt, die mit Nationen nichts und mit Staaten nur wenig zu tun hat.“
Bio
Works
Zum Wiedersehen der Sterne
Merits
Los Angeles Times Book Prize, 2008
New York Public Library Young Lions Award Finalist, 2008
Dylan Thomas Prize, Finalist, 2008
Prix du Premier Meilleur Roman Etranger, 2007
Grand Prix de Lectrices de Elle, Finalist, 2007
Prix Femina Etranger, Finalist, 2007
Guardian First Book Award, 2007
National Book Award Foundation, 5 Under 35 Award, 2007
Lannan Fiction Fellowship, 2007
New York Times Notable Book, 2007






