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Fresken der Alltagskultur
In anderen Arbeiten unterbreitet Szentesi Vorschläge für die Reinterpretation öffentlicher Statuen. Denkmäler berühmter Persönlichkeiten – so der Grundgedanke Szentesis – sagen vor allem etwas über die Zeit ihrer Entstehung und die Sicht der Gesellschaft aus, die sie errichtet. So sehen wir statuenwürdige Persönlichkeiten durch die Brille der Zeit, in der sie abgebildet wurden, und vor allem durch die Brille der örtlichen Entscheidungsträger. In der Regel sind das Kommunalpolitiker, die kuratorische Entscheidungen treffen, die dem Gustus eines größten gemeinsamen Nenners entsprechen. Indem Szentesi die Statuen transformiert – so setzt er die Statue des ungarischen Nationalhelden der Musik Franz Liszt in ein florales environment – konfrontiert er den gesellschaftlichen ästhetischen Kompromiss mit einer einzelkünstlerischen Vision, interpretiert er den Dargestellten damit neu und kommentiert zugleich die kommunale Kulturpolitik.
Den öffentlichen Dialog nimmt Szentesi auch in einer Art Gemeinschaftsarbeit mit der Gesellschaft auf. Hier hat der Künstler eine freie Plakatfläche für eine bestimmte Zeit zur Verfügung. In einer ersten Phase lässt er die weiße Plakatwand ungestaltet. Sie wird zu einer Fläche, auf der sich – wie Unkraut auf Brachland – bald wild geklebte Plakate, Inschriften und Slogans zu einer durch die Öffentlichkeit gestalteten Fläche vereinen. In einer weiteren Phase trifft der Künstler die Auswahl für einen kleinen Plakatausschnitt, der abfotografiert und schließlich als Riesen-Blow up auf die gesamte Plakatfläche aufgebracht wird – als Antwort des Künstlers auf die „wilde“ Gestaltung zuvor. So wird die Auswahl eines zufällig gefundenen Ausschnitts zur künstlerischen Aussage und die Kritzeleien eines Romantikers „Heaven is Like love“ zur Plakataussage.
Gefundene Bilder verwendet der Künstler auch für sein visuelles Tagebuch „Diary“ (2001). Hier werden Ausschnitte aus Postern und Werbung zur Grundierung für die gemalten Tagebucheinträge, die wiederum Alltagsschnappschüsse sind – wie ein Beinpaar in Aufsicht, oder die Tätigkeit des Zigarettenrollens. So kommt es zur Kombination von Alltagskultur mit gelebtem Alltag, zu einer Potenzierung des Alltäglichen, aus dem Csaba Szentesi seine Anregungen bezieht.


