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Haitis Roots-Aktivisten
Die Gruppe Boukman Eksperyans entstand 1978 – zu einer Zeit, in der in Haiti noch der Diktator Jean Claude "Baby Doc" Duvalier an der Macht war. Gegründet wurde die Band von Lolo Beabrund, dessen Vater in Haiti bereits ein bekannter Komödiant gewesen war. Als Kind war Lolo Beabrund seiner Mutter in die USA gefolgt und hatte später dort studiert, bevor er 1978 nach Haiti zurückkehrte.
Nach eingehender Beschäftigung mit den Ursprüngen der Voodoo-Kultur präsentierte sich die Gruppe in den achtziger Jahren erstmals als Live-Band, die in ihrer Musik traditionelle und moderne Instrumente und Elemente verband. Die Band singt in der kreolischen Sprache Haitis, die in der Geschichte der Insel des öfteren von diversen Regierungen aus Sorge um deren subversives Potenzial verboten worden war. Boukman Eksperyans bezieht sich positiv auf die Wurzeln der Voodoo-Kultur Haitis, die synkretistische Volksreligion der Insel. Die Art, wie sie religiöse, altafrikanische Motive und Elemente der modernen Alltagskultur Haitis aufgreift, ist ein Spiegel der hybriden Kultur der Insel.
In Haiti sind Boukman Eksperyans für ihre klare politische Haltung bekannt. So wechselhaft wie die politischen Verhältnisse in Haiti in den vergangenen Dekaden gewesen sind, so unterschiedlich waren die Reaktionen der Regimes auf Boukman Eksperyans. So belegten sie etwa 1989 mit ihrem Stück "Wet Chenn" den ersten Platz bei einen Musikwettbewerb, zu dem sie ein paar Jahre später, nach dem Militärputsch gegen den Präsidenten Jean-Bertrand Aristide, gar nicht mehr zugelassen wurden: Ihr Karnevalssong "Jou Male" war 1992 dem Militär ein Dorn im Auge und wurde verboten. Schon früher waren Stücke der Gruppe der Zensur zum Opfer gefallen – so etwa "Kem Pa Sote", das 1990 aus dem Radio verbannt wurde und gerade deswegen zur Hymne der Protestbewegung avancierte, die den Sturz des regierenden Militärgenerals Prosper Avril herbeiführte.
Während die Verhältnisse in ihrer Heimat Anfang der neunziger Jahre prekär waren, erhielt Boukman Eksperyans zunehmend Anerkennung und Unterstützung aus dem Ausland. Mango, das Tochterlabel der Plattenfirma Island, nahm die Band unter Vertrag, und so erschienen ihre Alben in den neunziger Jahren erstmals auch außerhalb Haitis. Ihr internationales Debüt "Kalfou Danjere" wurde 1993 sogar für einen Grammy nominiert.




