Wei Li

Article Works Projects www
crossroads:
genre(subgenre):
region:
country/territory:
created on:
March 10, 2006
last changed on:
Please note: This page has not been updated since April 21, 2006. We decided to keep it online because we think the information is still valuable.
information provided by:
Other languages:
Wei Li
"Mirroring: On Coal Hill", Copyright: Li Wei

Article

Spiegelungen

Mal schwebt der in Beijing lebende Performance-Künstler Li Wei als grünes Logo auf einer roten Fahne, mal steckt er kopfüber im Straßenpflaster oder trifft sich mit Frau und Baby in schwindelerregender Höhe auf einem Stahlträger. Bei seinen Spiegel-Performances setzt er sich einerseits der öffentlichen Schaulust aus, andererseits hält er dem Publikum im wahrsten Sinne des Wortes den Spiegel vor. „Was ich bei meinen Performances erlebe,“ so Li Wei, „gibt mir den Antrieb für meine folgenden Projekte.“ Als ständigen Balanceakt zwischen dem eigenen Freiheitsstreben und der Sorge um den Schutz der wenigen existenten emotionalen Schonräume - wie ihn z. B. die Familie bietet - beschreibt Li Wei seine künstlerische Arbeit.
Das Studium an einer privaten Kunsthochschule in Beijing brach der seit 2000 international agierende Künstler Li Wei nach einem Jahr ab. Man hätte dort nichts lernen können über Gegenwartskunst, begründet er die Entscheidung. Nachdem er bis 1999 in Öl malte, wurde ihm klar, „dass nur die Performance-Kunst die Möglichkeit bietet, am eigenen Körper das zu erfahren, was gleichzeitig die Message der Aktion ist.“

Zu einer frühen Arbeit, die ihn – am ganzen Körper grün bemalt – vor dem Hintergrund einer roten Fahne zeigt, sagt Li: „‚Green Guy Flag’ entstand 1999. Wichtig ist der Kraftaufwand, der nötig ist, um die Fahne zu erreichen. Es ist die Kraft, die wir brauchen, um unsere persönlichen Freiräume zu verteidigen. Die Arbeit ist eine Hommage an die menschliche Leidenschaft. In diesem Sinne ist auch die Farbe Rot zu verstehen. Das hat nichts mit der chinesischen Nationalfarbe zu tun.“

Mit der Performance-Serie „Mirroring“ begann Li Wei 2000. In einen ca. einen Quadratmeter großen Spiegel schnitt er ein Loch, durch das sein Kopf passt. Den Spiegel mit den Händen abstützend - so zeigen Dokumentationsfotos den Künstler an privaten, aber auch verschiedenen öffentlichen Orten in China und im Ausland. Aus der Entfernung aufgenommen, spiegeln sich sowohl die Beobachter als auch die Umgebung der Performance in der Fläche, die den Kopf des Künstlers umfasst. Die Sehirritation wird noch verstärkt, wenn Nahaufnahmen die Ränder des Spiegels und den Körper des Künstlers ausblenden. Lis Kopf scheint zu schweben, sei es inmitten einer Menschenmenge, in einer Häuserschlucht, am Himmel oder auf einer glitzernden Wasserfläche. „Der Spiegel läßt die konkrete Wirklichkeit zu einem immateriellen Abbild werden. Die gespiegelten Bilder werden jenseits der Spiegelfläche neu kontextualisiert. Letztendlich wird das sichtbar, was wir ständig in unserer Vorstellungskraft vollziehen. Wir setzen einzelne Eindrücke zu einer imaginären Wirklichkeit zusammen. Indem mein Kopf in der Mitte dieser Spiegelungen steckt, wird die wichtige Funktion der Gegenwartskunst evident: sie irritiert – wie diese Performance – und durchbricht blinde Alltäglichkeit. Wir sehen uns, aber auch die uns umgebende Wirklichkeit neu.“

Eine seiner erfolgreichsten Performances ist die „Falls“-Serie. Begonnen 2002, sieht man auf den Fotos der Aktionen den Künstler, wie er mit Kopf und Oberkörper im Asphalt einer Straße, dem Dach einer Hausruine oder in einer Eisfläche steckt. Die Beine ragen gestreckt gen Himmel. „Nein“, es handele sich hier nicht um Bilder, die am Computer erzeugt wurden, versichert der Künstler. Manchmal habe er mit stützenden Hilfskonstruktionen gearbeitet, aber grundsätzlich sei ihm auch hier der physische Kraftakt wichtig, zumindest für Momente die Spannung dieser Körperhaltung zu leisten und die Absurdität der Situation am eigenen Leibe zu spüren. „Wenn man sich vorstellt, jemand von einem anderen Planeten würde heute auf der Erde ankommen... Das wäre doch nun wahrlich keine sanfte Landung im Sinne eines freudigen Anblicks. Ob man da nun nach China schaut oder auf einen anderen Teil der Welt: es ist doch verrückt, was wir uns selber antun. Und dieses Gefühl, mit dem Kopf zuerst aufgeschlagen zu sein und jegliche Bodenhaftung eingebüßt zu haben, das kennt sicher jeder. Da muss man nicht einmal von einem anderen Planeten kommen.“

Was verschlägt eine Kleinfamilie auf einen Stahlträger in schwindelerregender Höhe über den Dächern einer tristen chinesischen Wohnblock-Siedlung? Die Fotos unter dem Titel „A Pause for Humanity“ (2005) zeigen den Künstler mit Frau und Säugling in einer Situation, die momenthaft an den Plan zum gemeinsamen Sprung in den Tod denken ließe. Die entspannten Gesichter beruhigen diesbezüglich. Besonders das erste Foto der Performance-Serie, auf dem Li mit dem Kopf an einen der besagten Träger gebunden über der Familie schwebt, macht deutlich: die gezeigte Situation ist – wie schon der Titel ankündigt – metaphorisch aufgeladen und mit Pathos besetzt. Auch wenn Details der Szene surreal anmuten, so gelingt es Li mit diesen künstlerischen Interventionen, höchst präzise Aussagen darüber zu machen, was es in heutigen Zeiten – und nicht nur im sich rasant wandelnden China – heißt, den „Schonraum Familie“ zu erhalten. „Da ist das Gefühl der Haltlosigkeit, die Unsicherheit, was morgen sein wird. Eben das Gefühl, in der Luft zu hängen, keinen Boden unter den Füssen zu haben. Und auch wenn mir die Familie das Wichtigste ist und sie deshalb auch zum integrativen Teil meiner Performances wurde, frage ich mich: Wo sind die Grenzen dessen, was wir aushalten können?“


Aus einem Interview mit der Autorin im März 2006.
Author: Ulrike Münter

Works

How Much Does your Head Weigh

Production / Performance
Video

International News Syndication

Production / Performance
Video

Dazzling

Production / Performance
Video

Transparent Ecology

Production / Performance
Video

Global Village

Production / Performance
Video

I am on Ice

Production / Performance
Video

BaoBao and I

Exhibition / Installation
Video

Mirror

Production / Performance
Video

Human Beings-Floating Substance

Production / Performance
Video

Green Guy. Flag

Production / Performance
Video

Ausgewählte Gruppenausstellungen

Exhibition / Installation
2006 „China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft“, Haus der Kulturen der Welt, Berlin „Ruins“, Gallery One, Wisconsin, USA „Para todos los públicos“, Sala Rekalde, Bilbao, Spanien „China here”, MyOwnGallery, Mailand, Italien „For all the Audience”, Sala Rekalde, Bilbao, Spanien 2005 „Dimension Folly“, Galleria Civica di Arte Contemporanea, Trento, Italien „The Second Reality”, Piazza of the Berlaymont Building, European Commission, Brüssel, Belgien „The Gesture – A Visual Library in Progress”, Macedonian Museum Of Contemporary Art, Centro Produzione Arte, Florenz, Italien „New Photographers 2006“, Gettyimages, Cannes, Frankreich „Ruins`Flowers”, OX Warehouse, Macau, China „Out Of the Red-2”, Marella Gallery, Mailand, Italien 2004 „Between Past and Future- New Photography and Video from China“, ICP, AsiaSociety, New York, USA „Officina Asia”, Galleriad’arte moderna Cesena, Bologna, Italien „Artificial Happiness”, RMIT Gallery, Melbourne, Australien „Pingyao International Photography Show”, Pingyao Photography Festival, Pingyao, China „Between Past and Future”, Museum of Contemporary Art Chicago, Chicago, USA 2003 „China Art Now -- Out Of the Red”, FlashArt Museum, Perugia, Italien „I am China-- Chinese Conceptual Photography”, SOHO, Peking, China „Manufactured Happiness”, Shangri-La Art Space, Peking, China „The Peripheries Become the Center”, Prag Biennale, Prag, Tschechien „DNA”, Visual, Peking, China 2002 „Flying --Performance, Photography, Video”, Beijing Red Square, Peking, China „The 2nd ´PingYao´ International Photography”, Ping Yao, ShanXi, China „Red Square - Contemporary Art”, Beijing Red Square, Peking, China „Mask Vs Face”, Red Gate Gallery, Peking, China „Bogus---Chinese Conceptual Photography”, Hall of Capital Normal University, Peking, China 2001 „0℃”, Beijing Bridge Art , Peking, China „Constructed Reality--Beijing/Hong Kong Conceptual Photography”, Hong Kong Arts Center, Hongkong, China „Pawn•COM --Site Performance”, Happy Garden Bar, Peking, China „Scar--Chinese Conceptual Photography”, Exhibition Hall of Capital Normal University, Peking, China „Site of City -- Four Person Conceptual Photography”, Fun Gallery, Peking, China 2000 „Open Art Platform”, Performance Art Festival, Peking, China

The Person´s Hand

Production / Performance
Video

Ausgewählte Einzelausstellungen

Exhibition / Installation
2006 „LI WEI”, 10 Chancery Lane Gallery, Hongkong, China „LI WEI”, Galeria Espacio Minimo, Madrid, Spanien 2005 „Illusory Reality”, Marella Gallery, Peking, China 2004 „LI WEI”, Marella Gallery, Mailand, Italien „LI WEI”, Eastlink Gallery, Shanghai, China

Li Wei Falls to Red Square

Production / Performance
Video

Projects

This artist took part in the following project(s) organized/funded by the culturebase.net partner institutions.

China - Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Ein Projekt zur zeitgenössischen Kunst Chinas

(24 March 06 - 14 May 06)

Www

Homepage of the Artist