Article
Aufklärung mit Pop
Im vorigen Jahr überraschte Mohamed Mounir Freund und Feind gleichermaßen mit einem Album, das von ungewohnt religiösen Motiven durchdrungen war. Sein Song: „Maddad“ – umgangssprachlich für: „Gib mir Kraft“ – gemahnte seine Hörer daran, dass Gott jedes Blutvergießen verbiete, und war Mounirs persönliche Reaktion auf den 11. September. Formal wie ein traditioneller Sufichant aufgebaut, knüpfte Mounir damit auch musikalisch bewusst an eine Tradition des Islams an, die sich weder orthodox-dogmatisch noch gewalttätig-terroristisch zeigt. Sondern eben mystisch und tolerant.
Mit seiner Hinwendung zu religiösen Themen erregte der bislang als säkular bekannte Sänger in seiner Heimat einige Verwunderung. Und begab sich damit auf heißes Terrain. Der Videoclip zu „Maddad“ wurde von den meisten arabischen TV-Satellitensendern abgelehnt, "weil sie mit Geldern aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten finanziert werden“, wie Mohamed Mounir vermutet. Gerade in den konservativen Golfstaaten dürfte Mounirs implizite Kritik an überkommenen religiösen Autoritäten nicht gut ankommen. „Die Leute werden bevormundet durch die Art, wie bei uns in den Moscheen und im Fernsehen die Religion vermittelt wird“, findet der 49-jähre Star der ägyptischen Musik. „Sie sollten ermächtigt werden, endlich ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.“
Mit solchen Statements macht man sich in Ägypten nicht nur Freunde. Mohamed Mounir ist es gewohnt anzuecken. Das hat ihn zum Heroen ägyptischer Intellektueller gemacht.
Erfolgreich ist Mohamed Mounir auch als Schauspieler. Mit Youssef Chahine, dem ägyptischen Regisseur, der trotz seiner 73 Jahre noch immer als Enfant terrible gilt, hat Mounir mehrfach zusammengearbeitet. In dem Historienspektakel „Schicksal“ etwa, 1997 für die Goldene Palme in Cannes nominiert wurde, verkörperte er einen Barden im mittelalterlichen Spanien, der von religiösen Fanatikern ermordet wird. Chahine plant auch Mounirs Leben zu verfilmen - als den Aufstieg des kleinen nubischen Jungen zum König der ägyptischen Popmusik.
Die poppigen Schlager, die Mounir in solchen Filmen singt, werden regelmäßig zu Hits. Nicht nur in Ägypten, sondern weit darüber hinaus ist Mohamed Mounir bekannt, und sein Filmruhm bestärkt seine Popularität als Musiker. Seine Konzerte führen ihn durch die gesamt arabische Welt, von Lybien bis Syrien. Auch in Europa tritt Mohamed Mounir gelegentlich auf, in diesem Jahr ist er zum ersten Mal auf Deutschlandtournee.



