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Bilder aus zwei Kulturen
Skotnes gehört zu jener Handvoll Künstler, denen es gelungen ist, zwei auf den ersten Blick unvereinbare Sphären zu verbinden: die Kunst und die Politik. Zum einen hat er im Lauf seiner Karriere ein eminentes, gerade auf dem Gebiet der Grafik brillantes Werk geschaffen und sich zum anderen wo er konnte der Rassentrennung widersetzt und in vielerlei Hinsicht sehr hilfreich kulturpolitisch engagiert. 1952 wurde Skotnes von der Kolonialregierung in Johannesburg zum Cultural Officer ernannt. In dieser Funktion war er unter anderem auch für das Polly Street Adult Centre zuständig, eine der wenigen Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Johannesburg, zu denen auch Schwarze zugelassen waren. Als die staatlichen Zuwendungen eingeschränkt wurden, konzentrierte Skotnes sich auf Kunst-Kurse. Aus diesen Kursen ging dann 1954 das Polly Street Art Centre, die erste Schwarzen zugängliche öffentliche Kunstschule Johannesburgs hervor, unter deren Schülern sich später so wichtige Künstler wie die Maler Sydney Kumalo und Lucas Sithole befanden.
Zu Anfang seiner Laufbahn war Skotnes wie so vieler seiner Generation ein Vertreter der lyrischen Abstraktion, die in der Bewegung den Ausdruck eines Seelenzustandes sah und die Formen oft bis hin ins Kürzelhafte, Emblematische reduzierte. Besonders seine Grafiken aus den fünfziger und frühen sechziger Jahren erinnern in ihrer zeichnerischen Wucht, in ihren harten Schwarz-Weiß-Kontrasten und manchmal fast monumental wirkenden Vereinfachungen an Holzschnitte des Bildhauers Eduardo Chillida. Doch anders als bei dem großen, im Jahr 2002 verstorbenen Basken ist bei Skotnes abstrakt erscheinenden Kompositionen immer noch die menschliche Figur zu erahnen – im Umriss, in der Körperhaltung oder dem ganzen Arrangement.
Dieser Hang, Abstraktion und Gegenständlichkeit zu vermischen, sollte sich später zugunsten der Gegenständlichkeit noch verstärken. Ineinander verschlungene Krieger wie sie in der Serie „The Assassination of Shaka Zulu“ von 1974 auftauchen, sehen da schon beinahe realistisch aus. Abgesehen von dem Umstand, dass sich anhand dieser Blätter gut der stilistische Wandel in Skotnes’ Werk ablesen lässt, ist die „Assassination“-Serie aber noch in einem anderen Zusammenhang charakteristisch für das Schaffen dieses Künstlers. Das Thema ist nämlich ein dezidiert historisch afrikanisches: Skotnes war mit Sydney Kumalo, Guiseppe Cattaneo, Cecily Sash und Edoardo Villa Gründer der Künstlergruppe „Amadlozi“, was soviel heißt wie „Geist der Vorfahren“. Der volle Titel der Serie lautet: „The assassination of Shaka by Mhlangane Dingane and Mbopa on 22 September 1828 at Dukuza by which act the Zulu nation first lost its empire“, was in seiner Ausführlichkeit genau die Ziele der Amadlozi-Mitglieder widerspiegelt. Es war ein ausdrückliches Anliegen der Gruppe, einheimische Traditionen, Mythen und Ereignisse aus der Geschichte mit modernen Darstellungsformen zu einer Synthese zu führen und regionale Wurzeln und internationalen Stil in ihren Werken zu vereinen.
Cecil Skotnes’ Arbeiten sind bis heute in zahllosen Ausstellungen in aller Welt zu sehen gewesen. Viermal war der Künstler auf der São Paulo-Biennale zu Gast, ebenfalls viermal vertrat er sein Land auf der Venedig Biennale, darüber hinaus hat er etliche Preise und Ehrungen für sein Werk erfahren. So erhielt er 1970 die Goldmedaille auf der Graphica Biennale in Florenz und 1976 mehrere Medaillen im Rahmen des Grahamstown Festival of Arts. Neben Grafiken und Gemälden hat Skotnes auch Wandgemälde und Holzintarsien hergestellt sowie Entwürfe für Teppiche geliefert. Für die südafrikansiche Post gestaltete Skotnes Briefmarken. Seit 1979 lebt und arbeitet der Künstler in Kapstadt.
Bio
1946 Studium der Malerei bei Heinrich Steiner, Florenz
1947-50 Studium an der Witwatersrand Universität, Johannesburg
1952 Ernennung zum Cultural Officer der britischen Kolonialregierung in Südafrika
1956 Gründung des Polly Street Art Centre
1961 Gründung der Amadlozi-Gruppe (mit Sydney Kumalo, Guiseppe Cattaneo, Cecily Sash und Edoardo Villa)
1979 Umzug nach Kapstadt
lebt und arbeitet in Kapstadt





